Neuer Sonderforschungsbereich zur Polymermechanochemie: Andreas Herrmann wirbt DFG-Forschungsverbund ein
Professor Andreas Herrmann, wissenschaftlicher Direktor des DWI und Inhaber des Lehrstuhls „Makromolekulare Materialien und Systeme“ an der RWTH Aachen University, hat erfolgreich den neuen Sonderforschungsbereich „Polymermechanochemie“ eingeworben, der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird. Der an der RWTH angesiedelte SFB setzte sich in einem kompetitiven Begutachtungsverfahren durch und untersucht künftig, wie mechanische Kräfte gezielt chemische Reaktionen in Polymeren auslösen können. Das Forschungsfeld eröffnet neue Perspektiven für innovative Materialien, kraftresponsive Systeme und biomedizinische Anwendungen.
Sonderforschungsbereiche sind langfristig angelegte Forschungsverbünde, in denen Wissenschaftler*innen im Rahmen eines fächerübergreifenden Programms zusammenarbeiten. Der neue SFB „Polymermechanochemie“ startet im Oktober 2026 und wird zunächst für drei Jahre und neun Monate gefördert. Langfristig ist eine Laufzeit von bis zu zwölf Jahren möglich.
Neben Andreas Herrmann sind weitere Wissenschaftler*innen des DWI am Sonderforschungsbereich beteiligt: Dr. Charlotta Lorenz, Dr. Jian Wang, Professor Andrij Pich, Professor Raphael Wittkowski, Professor Matthias Wessling und Professorin Laura De Laporte. Damit ist das DWI mit breiter Expertise aus der Erforschung interaktiver und funktioneller Materialien sowie (bio)materialbasierter Anwendungen in den Forschungsverbund eingebunden.
Anders als klassische chemische Transformationen, die häufig durch Wärme oder Licht angestoßen werden, nutzt die Mechanochemie mechanische Kräfte als Auslöser chemischer Reaktionen. In Polymeren eröffnet dieser Ansatz besondere Möglichkeiten: Materialien könnten künftig mechanische Belastungen erkennen, Schäden sichtbar machen oder durch äußere Kräfte gezielt Funktionen aktivieren.
„Mit diesem Sonderforschungsbereich wollen wir die grundlegenden Prinzipien verstehen, wie mechanische Kräfte gezielt chemische Reaktionen in Polymeren auslösen können. Dieses Wissen eröffnet uns die Möglichkeit, völlig neue Materialien und therapeutische Ansätze zu entwickeln, die präziser, effizienter und nachhaltiger sind als bisherige Lösungen“, erklärt der Sprecher des neuen Sonderforschungsbereichs, Professor Andreas Herrmann.
Im Zentrum des Forschungsverbunds steht die systematische Untersuchung mechanochemischer Prozesse in Polymeren. Ziel ist es, grundlegende Regeln für die Reaktivität solcher Prozesse zu entschlüsseln, kraftsensitive molekulare Motive zu entwickeln, moderne In-situ-Analysemethoden zu etablieren und computergestützte Modelle über verschiedene Längenskalen hinweg zu nutzen.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf biomedizinischen Anwendungen. Mechanochemische Prinzipien könnten künftig dazu beitragen, Wirkstoffe durch mechanische Reize gezielt zu aktivieren und Therapien dadurch räumlich und zeitlich präziser sowie nebenwirkungsärmer zu gestalten. Solche Ansätze könnten beispielsweise in der Sonopharmakologie und Sonogenetik Anwendung finden. Damit knüpft der Sonderforschungsbereich eng an zentrale Fragestellungen des DWI an: die Entwicklung interaktiver Materialien, die aktiv mit ihrer Umgebung wechselwirken und neue Funktionen für biomedizinische sowie nachhaltige Anwendungen ermöglichen.
Mit diesem Großprojekt positioniert sich Aachen als international führender Standort für die Erforschung der Polymermechanochemie. Weitere Informationen finden Sie in der Pressemitteilung der RWTH Aachen University:
https://www.rwth-aachen.de/go/id/bsjafo#aaaaaaaaabsjahl